Kontakt | Impressum

Polnisch-deutscher Brückenschlag: Ewa Michnik erhält Leipziger Richard-Wagner-Preis 2014

Ewa Michnik, Foto: Marek Grotowski

Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner wurde 2013 in seiner Geburtsstadt erstmals der Leipziger Richard-Wagner-Preis verliehen. Auch 2014 findet eine Festwoche zum Geburtstag des Leipziger Musikgenies statt. Preisträgerin des diesjährigen Richard- Wagner-Preises der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig ist die polnische Dirigentin und Opernintendantin von Breslau/Wrocław, Ewa Michnik.

 

„Dieser Preis ist einzigartig. Es gibt keinen zweiten Richard-Wagner-Preis“, bekräftigt Thomas Krakow, Vorstandsvorsitzender der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig zur kommenden Preisverleihung zum Abschluss der Richard-Wagner-Festwoche am 25. Mai in der Oper Leipzig. Zur diesjährigen Preisträgerin sagt er: „Ewa Michnik ist für uns der Inbegriff einer europäischen Kulturträgerin.“

 

Obwohl Richard Wagner bereits seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch in Polen wieder aufgeführt wurde, war dies wegen der ideologischen Vereinnahmung durch die Nazis lange nicht selbstverständlich. Michnik: „Wagners Ring des Nibelungen wurde in Breslau zum letzten Mal 1933 inszeniert.” 70 Jahre danach holte sie mit Hilfe des Hannoveraner Generalintendanten Hans-Peter Lehmann den Ring erneut in diese Stadt und führte 2006 die Tetralogie erfolgreich zyklisch in der 1913 vollendeten Jahrhunderthalle von Max Berg auf. Seitdem gehören alle Teile zum Repertoire der Oper in Breslau.

 

Nicht nur pure Begeisterung für Wagners Musik ließ Michnik die Wagner-Pflege aufleben, sondern auch Tradition. „Breslau firmierte doch als Musikmetropole im 19. Jahrhundert mit ihrer großen Wagnertradition vor Berlin und Dresden“, sagt sie. „Sechs Jahre nach der Bayreuther Uraufführung wurde hier der erste Ring aufgeführt. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es in Breslau die Tradition der so genannten Wagnernächte, und in den 20/30er Jahren wurde jede Saison mit Wagner eröffnet und geschlossen.“

 

Warum die Dirigentin Wagners Musik auch noch aufführt, verrät sie mit den Worten: „Ich habe festgestellt, dass es heute eine geradezu ideale Voraussetzung dafür gibt, den Ring des Nibelungen in Breslau aufzuführen. Die Voraussetzung nämlich, dass wir alle uns als Europäer fühlen, dabei wollen wir selbstverständlich unsere Geschichte nicht vergessen. Aber zugleich verstehen wir, dass wir dazu aufgerufen sind, gemeinsam eine europäische Kultur aufzubauen. Die unterschiedlichen Kulturen sollen dabei für das gegenseitige Durchdringen offen stehen, wenn es sich um wahre Kunst handelt, die dauernde moralische Werte vermittelt. Der Ring lehrt uns, Gefühl und Herz zur Richtschnur unseres Handelns zu machen.

 

Wegen ihrer auf Europa gerichteten kulturpolitischen Arbeit und der Pflege des Werks Richard Wagners in Polen erhält Ewa Michnik den Leipziger Richard-Wagner-Preis 2014. Aus der Sicht von Thomas Krakow und der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig verbindet Ewa Michnik idealerweise die deutsche Vergangenheit mit der polnischen Gegenwart und etabliert Breslau als kulturelles Tor Polens nach Westen, mithin ein Brückenbau von Polen nach Deutschland. Zu dieser Leistung sagt Krakow: „Ich ziehe voller Ehrfurcht den Hut vor ihr.“

 

Ewa Michnik wurde 1943 in Bochnia geboren, absolvierte 1972 die Musikakademie Krakau. Sie studierte Musiktheorie, Musikpädagogik und Dirigat. Von 1972 bis 1978 war sie Dirigentin der „Filharmonia Zielonogórska“, von 1981 bis 1995 war Michnik als künstlerische Direktorin an der Oper Krakau tätig. Seit 1995 ist Ewa Michnik Intendantin und musikalische Leiterin der Breslauer Oper. 1997 bis 2001 war sie künstlerische Leiterin des Breslauer Musikfestivals „Wratislavia Cantans“. Im Jahre 2000 erhielt sie den Professorentitel und wurde 2013 vom Oberbürgermeister zur „Botschafterin der Stadt Breslau“ berufen.


Download Presseinformation

Download Bild: Ewa Michnik (Foto: Marek Grotowski) 2 MB

Zurück