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Auszeichnung für Hartmut Haenchen

Hartmut Haenchen   Foto Marjolein van der Klaauw 2012

Hartmut Haenchen - Foto Marjolein van der Klaauw 2012

 

Der Dirigent Hartmut Haenchen erhält den diesjährigen Leipziger Richard-Wagner Preis. „Mit Hartmut Haenchen zeichnen wir einen Dirigenten aus, der in einem immerwährenden Schaffensprozess als Forschender nicht nur aber vor allem auch Richard Wagners Spuren folgt. Mit Werktreue als Handlungsgrundlage gelingen  ihm so immer wieder, durch Wiederentdeckungen beeinflusste, Maßstäbe setzende Interpretationen“, so Thomas Krakow, Vorsitzender des Vorstands der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig. Haenchen nimmt die Auszeichnung im Rahmen eines Festaktes zu den Richard-Wagner-Festtagen am 13. Mai 2018 in der Oper Leipzig entgegen.

 

Für die Stiftung stellt die Würdigung Haenchens eine logische Konsequenz aus dessen umfangreichen Schaffen dar: „Wir möchten die ständige Auseinandersetzung des Dirigenten mit dem Werk Richard Wagners, die Liebe zum Detail, seine Präzision und den dabei durch ein intensives Quellenstudium angewandten Grundsatz würdigen, in diesem Prozess nichts als gegeben anzunehmen. Steht dafür exemplarisch sein Amsterdamer „Ring des Nibelungen“, so stellte er diese Maxime noch einmal bei der Erarbeitung und Interpretation des „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen 2016 und 2017 wie in einem Brennglas gebündelt in den Mittelpunkt seines Handelns.“

 

Die Leipziger Richard-Wagner-Stiftung ehrt mit dem mit 10.000 € dotierten Preis seit 2013 das intensive Wirken für und im Sinne Richard Wagners. Der Preis, eine dem von dem Leipziger Maler und Bildhauer Max Klinger für Leipzig entworfenen aber nie vollendeten Wagner-Denkmal nachempfundene 35 Zentimeter hohe Plastik, wird alljährlich zu Richard Wagners Geburtstag in den Kategorien Musik oder Publizistik für eine besondere Leistung oder ein Lebenswerk vergeben und stets an einen herausragenden Nachwuchskünstler. Preisträger waren u. a. die Dirigentin und ehemalige Intendantin der Oper Breslau, Ewa Michnik, der Dirigent Christian Thielemann oder die Opernsängerin Waltraud Meier.

 

Hartmut Haenchen war unter Rudolf Mauersberger Mitglied des Dresdner Kreuzchors und führte bereits mit 15 Jahren als Kantor Konzerte auf. Nach dem Dirigier- und Gesangsstudium in Dresden führte ihn sein Weg über die Robert-Franz-Singakademie Halle (Saale) und die Hallesche Philharmonie (heute Staatskapelle) an die Staatsoper Unter den Linden Berlin, zur Dresdner Philharmonie, als Chefdirigent zur Staatskapelle Schwerin, an die Komische Oper Berlin, an die Staatsopern Berlin und Dresden und ab 1986 als Chefdirigent der Niederländischen Philharmonie, des Nederlands Kamerorkest und als Generalmusikdirektor der Niederländischen Oper nach Amsterdam, der er noch immer als Gastdirigent verbunden ist. Von 1980 bis 2014 war er auch Künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Carl Philipp Emanuel Bach.

 

Haenchen war Intendant der Dresdner Musikfestspiele, war Gastdirigent der Opéra National de Paris und ist es am Royal Opera House Covent Garden sowie dem Teatro Real Madrid. Opern- und Konzert-Gastdirigate führten ihn rund um den Globus. 1985 wurde er in seiner Tätigkeit als Leiter einer Dirigentenklasse an der Hochschule für Musik Dresden zum Professor ernannt.

 

Über 130 Schallplatten und/oder CDs und DVDs spielte Haenchen ein, darunter zwei komplette Aufnahmen von Der Ring des Nibelungen, sowie weitere Aufnahmen von Wagner, Gustav Mahler, C.P.E. Bach, Mozart oder Johann David Heinichens: „La Gara degli Dei“ (Weltpremiere), C.P.E. Bach: „Die letzten Leiden des Erlösers“. Neben vielen künstlerischen Auszeichnungen wurde er 1996 als erster Deutscher zum Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen ernannt. Seit  2002 ist er Ehrenbürger von Amsterdam und erhielt 2006 ehrenhalber die Niederländische Staatsbürgerschaft. 2008 folgte das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Haenchen ist Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und seit 2013 Ehrendoktor der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden.

 

2016 übernahm Haenchen kurzfristig das Dirigat der Parsifal-Neuinszenierung bei den Bayreuther Festspielen. Die Aufnahme der Premiere ist als DVD bei Deutsche Grammophon erschienen und wurde 2017 zum „Recording of the Year“ gewählt. Die Zeitschrift „Opernwelt“ kürte Haenchen 2017 zum Dirigenten des Jahres.

 

Über Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen veröffentlichte der Künstler unter dem Titel Von der Unvereinbarkeit von Macht und Liebe ein Buch in deutscher und niederländischer Sprache. Er dirigierte die Neuinszenierung des Werkes 1997 bis 1999 an der Nationaloper Amsterdam.

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