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Per Fahrrad zu Richard und zu viel mehr

Ammiel Bushakevitz / Foto: privat

Weltbürger Ammiel Bushakevitz ist Leipzig-Fan. 

Richard Wagner ist Leipziger, hier wurde er am 22. Mai 1813 geboren. Bis 2013, wenn der 200. Geburtstag begangen wird, geben Gesprächspartner Auskunft zum Thema „Mein Wagner“. Heute: der junge Pianist Ammiel Bushakevitz, der gerade sein Musikstudium in Leipzig abgeschlossen hat.

Der Mann ist zwar erst 26 Jahre alt, aber doch schon ein Weltbürger: geboren in Jerusalem, aufgewachsen vor allem in Südafrika, dort auch ein erstes Studium der Musik am Konservatorium in Pretoria, seit 2009 an Leipzigs Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Student für Liedgestaltung und Klavier, seit Kurzem auch noch mit einer Bleibe in Paris.

Ammiel weiß selbst nicht so genau, wo er denn eigentlich hingehört: „Ich kann wirklich nicht sagen, dort ist mein Zuhause. Der Begriff Weltbürger trifft aber das, was ich bin, ganz gut.“ Bushakevitz spricht mehrere Sprachen und hat drei Reisepässe - von Israel, den USA und Südafrika. Unterwegs ist er eigentlich fast immer. Er fühle, und das sei ihm wichtig, jüdisch, könne aber mit dem Begriff Nationalität wenig anfangen. Nach Südafrika kam er, weil seine Eltern dort einen Landsitz erwarben, um ihren Kindern ein unbeschwertes Aufwachsen in der Natur zu ermöglichen. 

In diesen Tagen macht Ammiel Station in Bayreuth. Er ist ein Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig, der alljährlich drei herausragenden Nachwuchskünstlern die Möglichkeit bietet, einige Tage die Festspiele live zu erleben. Man besucht Aufführungen auf dem Grünen Hügel und lässt sich auch sonst vom Flair der Wagner-Stadt einfangen. In diesem Jahr gab es sogar einen exklusiven Empfang bei Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, was Leipzigs Verbandschef und Wagner-Koordinator Thomas Krakow als Indiz dafür wertet, dass mit Blick aufs Jubiläumsjahr 2013 das Miteinander zwischen den beiden wichtigen deutschen Wagner-Städten auf einem guten Weg ist.

Gut unterwegs in der Musikwelt ist auch Pianist Bushakevitz. Dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes war er die vergangenen drei Jahre in Leipzig verortet. „Diese Zeit habe ich genossen. Ich wohne gleich neben dem Mendelssohn-Haus, bin auch schnell bei Grieg und Schumann. Etwas besseres als die Kulturstadt Leipzig kann einem jungen Musiker nicht passieren. Ich fühle mich hier sehr wohl, und das nicht nur wegen der Musik, sondern weil man hier auch sehr gut Rad fahren kann. Ein Sonnenuntergang am Cospudener See ist doch was Wunderbares. Ich werde immer wieder zurückkommen.“ Ammiel studierte in Leipzig nicht nur Musik, sondern lernte in dieser Zeit auch nahezu perfekt die deutsche Sprache. 

Ammiel, der Weltbürger, fühlt freilich als Musiker „europäisch“, wofür er die großen Musiktraditionen des alten Kontinents verantwortlich macht. Dabei haben es ihm die deutschen/österreichischen Klassiker besonders angetan. Jüdischer Abstammung hat Bushakevitz keine Berührungsängste mit Richard Wagner, der es in Israel noch immer nicht leicht hat, anerkannt zu werden. Er wolle Wagner musikalisch und nicht politisch sehen. Genau das hoffe er, setze sich auch irgendwann in seinem Geburtsland durch: „Man sollte mit Wagner endlich unverkrampft umgehen und seine musikalischen Qualitäten in den Vordergrund rücken. Auch seine Musik kann doch Grenzen überwinden.“ Wagner ist zwar, weil er nur drei Klaviersonaten schuf, nicht unbedingt der große Komponist für einen Pianisten. Ammiel ist, seit er als Teenager eine Lohengrin-CD geschenkt bekam und die in seinem Zimmer so laut wie möglich hörte, dennoch von Wagner begeistert: „Er schuf wirklich unglaubliche gute Kunst.“
Thomas Mayer 
LVZ vom 11.8.2012 

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