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Ich mag ihn leise

Konstanze Hollitzer / Foto: André Kempner

Die Leipziger Pianistin Konstanze Hollitzer feiert heute Richard Wagners Schwiegervater Franz Liszt. 
Richard Wagner ist Leipziger, denn hier wurde er am 22. Mai 1813 geboren. Bis 2013, wenn der 200. Geburtstag ansteht, wird monatlich eine Frau, ein Mann zum Thema "Mein Wagner" befragt. Heute: Die in Leipzig geborene Pianist Konstanze Hollitzer.
Die Künstlerin war gerade ganz schön weit weg, aber doch ganz nah dran an Richard, den geborenen Leipziger. Konstanze Hollitzer sitzt am Flügel/Klavier, wenn die von der vielseitigen Leipziger Künstlerin Steffi Böttger ersonnenen literarischen Konzerte zur Aufführung kommen. Die Damen waren jetzt in Luzern gebucht, traten auf im Richard-Wagner-Haus in Tribschen am Vierwaldstätter See. Hollitzer schwärmt und kann sehr gut nachempfinden, dass Wagner hier einige Jahre seines Leben zubrachte. 
Der Komponist hatte im April 1866 das unbewohnte Haus bezogen. In einem herrschaftlichen Anwesen, von einem Park umgeben und direkt am See gelegen, lebte er mit seiner zweiten Frau Cosima und seinen Kindern. Das Haus wurde zum Treffpunkt prominenter Persönlichkeiten, zu Gast waren Franz Liszt, Friedrich Nietzsche, Gottfried Semper und auch Bayernkönig Ludwig II. 1872 verließ Wagner seine "Tribschener Idylle", wie er diesen Ort selbst nannte, um die Pläne seines eigenen Festspielhauses in Bayreuth zu verwirklichen.
"Auch Wagners Haus in Tribschen liegt auf einem Hügel, einfach traumhaft ", schwärmt die Pianistin, die freilich nicht von sich nicht sagen kann, eine große Wagnerianerin zu sein. "Ich mag ihn leise. In seinen großen Opern steckt mir zu viel Demagogie. Der kann sich der Zuhörer nur schwer entziehen. Wagners frühe Klavierwerke hingegen, obwohl die eher wenig zu hören sind, halte ich für wunderbare Werke, natürlich auch seine Wesendonck-Lieder."
Hollitzer sitzt schon von kleinauf am Klavier, erhielt erstmals mit vier Jahren Unterricht. "Meist", sagt sie, "machte das auch viel Spaß, und wenn doch mal nicht, dann habe ich mit den Jungens Fußball gespielt". Als 16-Jährige interessierte wohl keins von beiden so richtig. Schließlich war Familie Hollitzer eine der wichtigen in der Bürgerrechtsbewegung in Leipzig - voran die Mama, später die sich über viele Jahre nahezu aufopfernde Leiterin des Museums in der Runden Ecke, das nun vom Hollitzer-Spross Tobias geleitet wird. 
Als am 4. Dezember 1989 die Stasi-Bezirksbehörde besetzt wurde, war Konstanze auch mit dabei. Sie erinnert sich gern an diese aufregenden Tage, wollte sich aber schon bald nicht weiter politisch engagieren, sondern nur eins werden: Künstlerin. Sie studierte an der Leipziger Musikhochschule und ist seit Jahren freischaffend tätig.
"In Tribschen saß ich am so genannten Tristan-und-Isolde-Flügel. Das war schon etwas Besonderes. Das Instrument ist eine absolute Rarität. Und dass man sogar darauf spielen darf, ist fast einzigartig für so ein Museum", sagt die Pianistin. 
Sie freut sich aufs heutige Gastspiel im Mendelssohn-Haus, das man Wagners Schwiegervater Franz Liszt - heute ist sein 200. Geburtstag - widmet und das unter dem Thema "Eine fantastisch sagenhafte Erscheinung - Franz Liszt in den Augen seiner Töchter Blandine und Cosima" steht. Hollitzer: "In Wort und mit Musik wird in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen eine spannende Geschichte erzählt. Dabei war Liszt alles andere als ein guter Vater, denn er hatte seine Kinder meist Ammen, Pflegemüttern und Erzieherinnen anvertraut. Doch wenn sich Töchter und Vater mal sahen, war das eine enthusiastische Begegnung." Wagners Ehefrau Cosima, wäre noch zu ergänzen, wurde zur Hüterin von Bayreuth. 
Thomas Mayer 
LVZ, vom 22.10.2011

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