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Große Chance für Richard Wagner

Pierre Lussato / Foto: Thomas Mayer

Pierre Lussato aus London will wertvolle Privatsammlung nach Leipzig bringen.

Lussato ist Weltbürger, sein Vater Italiener, seine Mutter Deutsche. Er spricht mehrere Sprachen und düst geschäftlich über den Kontinent. Als Finanzberater/Immobilienhändler lebt er (36, verheiratet, zwei Kinder) in London. Oft ist er in Paris oder Berlin. In dieser Woche war er wieder mal in der deutschen Hauptstadt – früh abgekommen, abends wieder weg. Zeit ist eben Geld. 

Dieser umtriebige junge Mann könnte für die Wagner-Stadt Leipzig zu einer bedeutenden Person werden. Lussato erbte von seinem Vater Bruno Lussato (er starb 2009 im Alter von 77 Jahren) die wohl wertvollste und umfangreichste Sammlung zum Thematik Richard Wagner, die es nach den Beständen von Bayreuth gibt. Lussato möchte die Sammlung, die sein Vater – er betrieb unter anderem nahe Paris ein privates Kulturzentrum – in über 30 Jahren intensiver Beschäftigung mit und Begeisterung für diesen Komponisten zusammentrug, erhalten und Leipzig „mindestens als Dauerleihgabe“ zur Verfügung stellen. 

Gegenstand der Sammlung sind Autographen, Erstausgaben von Partituren, Literatur von und über Wagner und allerlei „Devotionalien“ (Kunstwerke, Plakate, Medaillen etc.). Das Konvolut ist vor allem eins über den „Ring des Nibelungen“, so beinhaltet es Unikate zur Entstehungsgeschichte des monumentalen Opernwerkes, die selbst Bayreuth nicht besitzt. 

Der Kontakt mit Leipzig kam über Stephen Roe, beim Londoner Auktionshaus Sotheby’s der Spezialist für den Buch- und Musikalienmarkt, und Christoph Wolff, Leiter des Leipziger Bach-Archivs, zustande. Wolff informierte Thomas Krakow, Vorsitzender des hiesigen Richard-Wagner-Verbandes, über die Sammlung. Seither wird sich im Verborgenen für ein lohnenswertes, wie sich aber mittlerweile zeigt, nur schwer zu realisierendes Projekt engagiert. 

Im Rathaus steht man in Kontakt mit Lussato. Es gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Lussato spricht von „sehr schönen Worten“, die ihn bisher aus Leipzig erreichen, er warte aber auf konkrete Mitteilungen. Er war auch schon in Leipzig zu Gast, zeigte sich begeistert von der kulturellen Vielfalt der Stadt und besonders vom Haus für Johann Sebastian Bach. So wie an diesen Meister erinnert wird und wie man dort dessen Werk nutzen kann, so kann er sich vorstellen, seine Wagner-Sammlung in Leipzig präsentieren zu können.

Für die Schaffung eines Wagner- Hauses setzt sich seit ihrer Gründung 2010 die Richard-Wagner-Stiftung ein, in der sich prominent-einflussreiche Menschen wie Ex- Generalbundesanwältin Monika Harms und Komponisten-  Urenkelin Nike Wagner für den Komponisten stark machen. Die Stiftung, die bislang eher in der Anonymität aktiv ist, müsste finanziell aufgerüstet werden, um tätig sein zu können. Ein Konzept für ein Wagner- Erlebnis-Haus wurde von der Museologin Ursula Dworak erarbeitet, ist aber bis dato nicht öffentlich bekannt.

„Leipzig muss auch Wagner-Stadt sein“, wird Krakow, der im Dienstbereich des Oberbürgermeisters der Koordinator für die Wagner-Feierlichkeiten 2013 ist, nicht müde zu sagen. Er weiß, wovon er spricht, erlebte er doch in Dresden die offizielle Vorstellung Christian Thielemanns als Chefdirigent der Staatskapelle. Dabei wurde publik,dass Dresden Wagner-Stadt sein will. Krakow hörte das „verblüfft“: „Wir müssen also mit unseren Pfunden wuchern. Dazu gehört, die Chance zu nutzen, Dank der Lussato-Sammlung ein Wagner-Haus einrichten zu können.“ Zu Wagners Heimstatt könnte der Große Blumenberg am Richard- Wagner-Platz werden. Die Immobilie gehört der Messerschmidt-Stiftung München. Sie ist die größte private deutsche Denkmalschutz-Stiftung. Alle Bestrebungen seitens des Wagner-Verbandes, der hier seinen Sitz hat, diesen Eigner für Wagner zu interessieren, sind bisher nicht von Erfolg gekrönt. Es bedarf wohl größerer Räder, die gedreht werden müssen. 

Genau darauf wartet Lussato: „Es gibt für mich keinen besseren Ort der Welt. Leipzig hat alles, um auch mit und für Wagner werben zu können

Nur bedarf es dafür eines professionellen Konzeptes und der Zusage der Stadt, so ein Haus haben zu wollen.“Bis 2013 will er konkrete Antworten. Kommen die nicht, wird er sich „schweren Herzens“ anders entscheiden und seine Sammlung, die im Depot der Nationalbibliothek Paris schlummert, einer anderen Bestimmung zuführen. „Unter den Hammer kommt sie bestimmt nicht“, steht für Lussato auch fest. 

Thomas Mayer

LVZ vom 26.5.2012

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