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Ein leibhaftiger Drache

Monika Harms / www.jura.uni-halle.de

Vor 198 Jahren wurde in Leipzig Richard Wagner geboren - Monika Harms erzählt, wie sie zu ihm steht Sonntag wäre Richard Wagner 198 Jahre alt. Bis 2013, wenn der 200. Geburtstag ansteht, wird monatlich um den 22. eine Frau, ein Mann zum Thema "Mein Wagner" befragt. Heute: Generalbundesanwältin Monika Harms, in Leipzig unter anderem aktiv als Vorsitzende des Stiftungsrates der Richard-Wagner-Stiftung. Die Frau ist happy. Sie hat viel Mahler intus. Glanzvoll die zweite Symphonie, zauberhaft die Musiker und Riccardo Chailly. Monika Harms ist Konzertgängerin seit Urzeiten, zunächst in ihrer Heimatstadt Frankfurt-Main, später in Berlin und immer dort, wo sie gerade zu tun hatte.

Die Liebe zum Gewandhausorchester ist eine spät entdeckte. Als Mitglied des Vereins der Freunde des Orchester konnte sie mittlerweile das Ensemble sogar "von innen kennen lernen". Sie gehörte auch zu den Protagonisten, die den Gewandhaus-Freundeskreis in New York zum Leben verhalf.

Mit der Liaison mit dem Orchester geht die mit Leipzig einher. Seit sie 1997 mit dem 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Leipzig ankam, ist sie infiziert vom speziellen Fluidum der Musikstadt: "Ich wusste natürlich, das Bach und Mendelssohn hier wirkten und Wagner hier geboren wurde, Leipzigs Besonderheiten musste ich aber erst richtig der kennenlernen. Wenn ich im Augustus am Gewandhaus sitze und Publikum wie Musiker zum Konzert gehen sehe, fühle ich eine besondere Atmosphäre. Hier gehe ich nicht nur ins Konzert, hier bin ich dabei." Sie engagiert sich auch für Richard Wagner, weil sie meint, dass gerade für ihn noch einiges getan werden muss. "Wagner ist doch ein Meilenstein der Musikgeschichte, vieles wäre ohne diesen Monolithen nicht denkbar", sagt Harms. Sie selbst musste freilich diesen Komponisten auch erst entdecken. Von Hause aus spielten Verdi, Puccini die Hauptrollen. So war sie auch eher in der Arena von Verona als auf dem Grünen Hügel. Monika Harms stutzt: "Nein, nicht doch. Als Kind, ich war glaube acht, fuhr ich mit den Eltern in die Fränkische Schweiz in Urlaub, und ich erinnere mich: Hinterm Festspielhaus lag ein leibhaftiger Drache, einer aus Pappmasché natürlich. Komisch, das habe ich so wenig vergessen wie meinen ersten Tannhäuser oder die Auftritte von Wolfgang Windgassen und Anja Silja."

Monika Harms ist längst Stammgast auf dem Bayreuther Hügel, ohne dort den Auftritt auf dem roten Teppich zu pflegen. Sie genießt die vielstündigen Aufführungen, weil sie meist nicht Holzklasse sitzt, ist nicht immer da Core mit dem, was aufgeführt wird, tritt aber nicht im Chor der Buhrufer an, obwohl ihr bei Schlingensiefs Parsifal mal so zu Mute war. Wagner und Leipzig? Monika Harms, kritisch-nachdenklich: "Ich bedauere, dass man erst so spät wirklich an einem Strang zieht und das bis dato vor allem von ehrenamtlicher Hand geschieht. Vom Gewandhaus weiß ich, dass man das Mahler-Festival fünf Jahren lang vorbereitet hat. Ich beklage die Säumigkeit bei Wagner, denn das Jahr 2013 ist ein Fixstern, den man nicht achtlos vorbeiziehen lassen darf." Künstlerisch setzt Monika Harms auf David Timm und dessen tolle Ideen. Und mit dem Wagner-Verband sollte es gelingen, 2013 zumindest verkünden zu können, dass Richard eine Heimstatt - ein Museum/Begegnungsstätte - bekommen wird wie sie die Artgenossen Bach, Mendelssohn und Schumann schon lange haben.

Thomas Mayer

LVZ vom 08.05.2011

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