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Denkmal für Richard Wagner

Foto: Andreas Schmidt

Markus Käbisch ist überzeugt von Stephan Balkenhols Entwurf und geht auf Sponsorensuche 
Richard Wagner ist Leipziger, denn hier wurde er am 22. Mai 1813 geboren. Bis 2013, wenn der 200. Geburtstag ansteht, wird monatlich um den 22. eine Frau, ein Mann zum Thema „Mein Wagner“ befragt. Heute: Markus Käbisch, Vorsitzender des hiesigen Wagner-Denkmal-Vereins.
Wagnerianer müssen nicht zwingend älteren Ursprungs sein. Auch jugendliche Dynamik verbindet sich mitunter mit dem Faible für diesen berühmten Komponisten. Ein Beispiel dafür ist der studierte Betriebswirtschaftler Markus Käbisch (43). Derzeit oft global für eine in der Solarbranche tätige Firma an der schönen britischen Rivera unterwegs, ist sein größtes Hobby Richard, der Leipziger.
2005 hatte Käbisch mit einigen Freunde den Wagner-Denkmal-Verein ins Leben gerufen. Sie waren damals der Ansicht, für den in Leipzig geborenen Komponisten werde in dieser Stadt viel zu wenig getan. Also müsse es gelingen, im Jahr 2013 Wagner auch mit einem neuen Denkmal zu ehren, um ihn damit besser als in den vielen Jahren zuvor in seiner Geburtsstadt positionieren zu können.
Käbisch ist Leipziger wie Wagner. Lange Zeit wusste er freilich nicht, dass auch der von hier stammt. Erst als der junge Mann in den 1990er-Jahren auch mal Musikwissenschaften studierte, war es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen. Käbisch heute zu seiner, wie er selbst sagt, „recht späten Erkenntnis“: „Diese Stadt gab sich nicht unbedingt so, dass sie neben der Bach- und Mendelssohn-Stadt auch Wagner-Stadt sein wollte. Auch gab es damals kein solches bürgerschaftliches Engagement wie es nun mit gleich drei inhaltlich unterschiedlich strukturierten Vereinen der Fall ist.“
Käbischs Denkmal-Verein strebt nicht nach Hunderten von Mitgliedern. So sind auch heute in ihm kaum mehr als zwei Hand voll Enthusiasten vereint. Deren Aufgabe ist es ganz einfach, für das konkrete Denkmal-Projekt zu werben und zu sammeln - Geld für Leipzigs neues Wagner-Denkmal, das, wie vor wenigen Tagen eine Jury entschied, der weltweit bekannte deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol gestalten wird.
„Dieses Ja für Balkenhol macht mich glücklich, denn damit sehe ich kein größeres Problem, die Finanzen aufbringen zu können. Der Entwurf des renommierten Künstlers überzeugt, er ist auf den ersten Blick einfach zu deuten, macht aber auch die vielschichtigen Aspekte von Wagners Leben und Werk sichtbar. Balkenhols guter Name dürfte bei unseren Partnern zusätzlich Wirkung hinterlassen“, ist Käbisch überzeugt.
Man wird also in den kommenden Wochen und Monaten potente Sponsoren gezielt ansprechen und denkt dabei vor allem an Banken und die großen Unternehmen. Käbisch, der mit einem schon erstaunlichen Selbstbewusstsein ausgestattet ist, glaubt, entsprechende Geldgeber überzeugen und gewinnen zu können. “2013 steht doch auch Leipzig im Fokus der großen weiten Wagner-Welt. Unser neue Denkmal muss am 22. Mai, dem 200. Geburtstag des Komponisten, eingeweiht werden“, so der Vereinschef - und verschwand für die nächsten Tage erst mal wieder in den schönen Südwesten Englands.
 Ob aber das Einwerben des Geldes wirklich so leicht wie zu hören vonstatten gehen wird?, fragt man sich nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Immerhin ist von über 150000 Euro auszugehen, die der bis zu vier Meter hohe Balkenhol-Wagner kosten dürfte. Käbisch: „Das schaffen wir, auch haben wir ja noch genügend Zeit.“ Ein Scheitern wäre in der Tat eine Blamage, zudem in Leipzig in den vergangenen rund 100 Jahren schon zwei Mal Denkmals-Ideen pro Wagner nicht realisiert werden konnten. 1924 und letztlich mit dem Tod Max Klingers musste dessen Wagner-Denkmal ad acta gelegt werden, wobei Klingers sanierter Jugendstilsockel heute die Basis für die moderne Kunst sein wird. Später konnte Emil Hipps monumentales Wagner-Denkmal, mit dem 1932 begonnen worden war, nicht fertiggestellt werden. Dieses Projekt hatten die Nazis vereinnahmt und in Misskredit gezogen.
Wenn denn das nun geplante Denkmal fertig sein sollte, wird sich der Wagner-Denkmal-Verein auflösen. So steht es in der Satzung. 
Thomas Mayer
LVZ vom Juni 2011

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