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9 „Götterdämmerung” – Orchesterpartitur

Wagners monumentales Bühnenfestspiel schließt mit der „Götterdämmerung“. Mit der Vollendung der Partitur am 21.11.1874 beendete er eine 26 Jahre währende dichterische und kompositorische Arbeit. Dennoch stand damit das Werk „Der Ring des Nibelungen“ für den Komponisten keinesfalls als fertiges Kunstwerk da. Ziel der Jahrzehnte langen Arbeit war die Aufführung. Erst als der „Ring“ in dem eigens dafür errichten Festspielhaus in Bayreuth nach langer, von Wagner streng überwachter Vorarbeit erklang, konnte dieser sein Werk als abgeschlossen betrachten.


Im Entstehungsprozess von Wagners Werken kann man eine Arbeitsweise erkennen, die im Kern gleich geblieben ist. Zu Beginn eines jeden neuen Werkes stand das Textbuch, welches Wagner zumeist nach einem ersten Entwurf vollständig ausformulierte. Nicht selten ließ er bereits diese Dichtungen, wie er sie selbst bezeichnete, drucken und veröffentlichen. Daran schlossen sich verschiedene Phasen der kompositorischen Arbeit an.

 

Nach ersten Skizzen und Entwürfen folgten unterschiedliche Stadien der Niederschrift, die mit immer genaueren Angaben und Verläufen aufwarteten. Am Schluss der langwierigen Arbeit, stand die fertige Partitur. Interessanterweise konnten sich diese unterschiedlichen Phasen der künstlerischen Arbeit an verschiedenen Teilen der Musikdramen überschneiden. Häufig arbeitete der Komponist somit parallel an seinen Opern, die jeweils an unterschiedlichen Punkten ihrer Genese standen.


Um die zahlreichen künstlerischen und organisatorischen Fragen und Aufgaben seiner Festspiele bewältigen zu können, benötigte Wagner stets einen großen Arbeiterstab um sich herum. Teil dieses Stabes war die vom Bayreuther Hausherren scherzhaft so bezeichnete „Nibelungenkanzlei“, eine Gruppe junger Musiker, die er mit für ihn zeitraubenden Arbeiten betraute. Dazu gehörten neben Probenarbeiten auch das Erstellen von Partiturreinschriften, die für die spätere Drucklegung seiner Kompositionen dienten und die Wagner akribisch korrigierte und autorisierte. Zu dieser „Nibelungenkanzlei“ zählten neben bekannteren Namen wie Felix Mottl (1856-1911) und Engelbert Humperdinck (1854-1921) auch der junge ungarische Musiker Anton Seidl (1850-1898) sowie der Russe Joseph Rubinstein (1847-1884), die für diese handschriftliche Kopie der Götterdämmerungs- Partitur verantwortlich sind.

 

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