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4 Eine Biographie mit Portrait, 1855

Wagner befindet sich in erlesener Gesellschaft. Auch Beethoven, Gluck, Haydn und Mozart gehören zu den Komponisten, die in der Reihe „Die Componisten der neueren Zeit“ porträtiert werden. Im 24. Teil der Reihe beschäftigt sich Wilhelm von Lenz mit dem Lebensweg des großen Romantikers. Er beschäftigt sich nicht nur mit seinem künstlerischen Werdegang, sondern auch seinen theoretischen Ansichten, wofür er Wagners Schriften „Oper und Drama“ sowie „Drei Operndichtungen, nebst einer Mittheilung an meine Freunde“ heranzieht. Den Opern „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ widmet er sogar eine ausführliche Analyse.


Doch zunächst verfolgt der Autor Wagners Vita. Nach Lenz haben die Leipziger Gewandhauskonzerte dem jungen Studenten die Gewissheit verschafft, Komponist werden zu wollen. Eine Lehre beim Thomaskantor Theodor Weinlig vermittelte ihm das dazu nötige Werkzeug.


Wagner fiel es leicht, sich kompositorische Regeln anzueignen. Gesellschaftlichen Regeln entsagte er allerdings oft. So befand er sich in den Jahren seiner Selbstständigkeit in Geldnot, hatte Schuldenberge angehäuft. Erst die Inszenierung des „Rienzi“ in Dresden konnte ihn aus dieser misslichen Lage befreien. Als ihm hier 1843 eine Anstellung als Hofkapellmeister winkte, spürte er eine innere Abneigung gegen die „frivolsinnliche Genußsucht der modernen Gesellschaft“. Dennoch ließ er sich auf das Angebot ein und verlor sechs Jahre später den Posten wieder, da er sich am Dresdner Maiaufstand beteiligt hatte. Lenz verteidigt Wagners Teilnahme an der Revolution mit der Begründung, Wagner wäre es vor allem um eine Reform des Theaterwesens gegangen. Tatsächlich äußerte sich Wagner schon im Exil in Zürich kritisch über die Revolution.


Weiterhin schildert Lenz, dass dem Komponisten schon während seiner Zeit in Dresden zwei neue Stoffe interessiert hatten: der mythische „Siegfried“ und der historische „Friedrich der Rothbart“. Für „Friedrich“ hatte er bereits den Plan zu einem Drama entworfen, der ihn allerdings nicht befriedigte. Darum nahm er sich dem „Siegfried“ an, einer mythologischen Figur, in der er den wirklichen, unverstellten Menschen zu erkennen glaubte. 

 

Weil der vielschichtige Mythos nicht in einem einzigen Drama unterzubringen war, entschied Wagner sich für ein dreiteiliges Werk mit Vorspiel, das er später als den „Ring des Nibelungen“ veröffentlichte.


Für Wilhelm von Lenz begegnet uns in Wagner ein Genie, das lange Zeit von der Gesellschaft verkannt wurde. Immer wieder betont er die „geniale Kraft wie sie nur Wagner’s Werken innewohnt“. Zum Zeitpunkt der Niederschrift befand sich der Nibelungemythos noch in Arbeit, die Partitur des „Rheingoldes“ war bereits beendet. 

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