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3 Drei Operndichtungen, nebst einer Mittheilung an seine Freunde als Vorwort, 1852

Im Jahr 1851 sah Wagner sich gezwungen Rechenschaft über sein bisheriges künstlerisches Schaffen abzulegen. Seine Schrift „Oper und Drama“ war bei einigen seiner Zeitgenossen auf Unverständnis gestoßen. Die darin vertretenen Ansichten schienen nicht im Einklang mit seiner bisherigen künstlerisch Arbeit zu stehen. Diesen Widerspruch aufzulösen war Wagners Gedanke, als er das Vorwort zu seinen „Drei Operndichtungen“ verfasste. Darin wendet er sich ausdrücklich nur an seine Freunde. Er erläutert seinen persönlichen und kompositorischen Werdegang und reflektiert über seine drei wichtigsten Opern: „Der Fliegende Holländer“, „Tannhäuser“ und „Lohengrin“. Deren Verse schließen sich dem Vorwort an.

 

Einen wichtigen Stellenwert im Vorwort nehmen Wagners kunsttheoretische Überlegungen ein. „Der Künstler wendet sich an das Gefühl, und nicht an den Verstand“, verkündet Wagner, als Romantiker und Kind seiner Zeit. Eben diese starke Betonung des Gefühls erklärt seine großen Probleme bei der musikalischen Aufarbeitung des Nibelungenmythos‘. Schließlich sollte dieser zunächst in nur einer Oper, „Siegfrieds Tod“, seinen Platz finden. Jedoch erscheinen Wagner die großen Beziehungen, die sich in diesem Drama verbergen, nur unzureichend thematisiert. „Siegfried‘s Tod war [...] nur der erste Versuch gewesen, einen wichtigsten Moment dieses Mythos‘ zur dramatischen Darstellung zu bringen“, gibt er freimütig zu. Wagner schildert, dass er eine tiefe Einfühlung in den umfangreichen epischen Stoff für unerlässlich hält. Er komponierte zusätzlich den „Jungen Siegfried“. Doch damit war sein Kampf mit der Germanensage nicht beendet. Wagner musste feststellen, dass auch mit diesen beiden Dramen sein Mythos „noch nicht vollständig in die Sinnlichkeit des Dramas aufgegangen war.“ Eine Aufteilung des Stoffes auf drei vollständige Dramen hält er darum für unumgänglich und kündigt ein eigens für den Nibelungenmythos bestimmtes Fest an. Gleichzeitig sieht er ein, dass er sich mit diesem Plan auf ein neues Gebiet der Musikinszenierung wagt. Im „Ring des Nibelungen“ sollen Musik, Dichtung und Handlung zu einer Einheit und somit seine Vision eines neuen Musikdramas Wirklichkeit werden. Für ihn steht fest: „ ... daß ich mit diesem Unternehmen nichts mehr mit unserem heutigen Theater zu tun habe.“ 

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