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10 Wahnfried

„Es ist mir nöthig endlich zu wissen, wo ich hingehöre, wo ich meinen festen Wohnsitz nehme[n] und für meine Familie im bürgerlichen Sinne sorgen kann. Ich habe viele Jahre meines Lebens dem wüsten Walten des Zufall’s anheim geben müssen, nenne keinen Besitz mein und lebe wie ein Flüchtling in der Welt.“ Diese, aus einem Brief an den bayerischen König Ludwig II. stammenden Worte verdeutlichen den hohen Stellenwert, den Richard Wagner einem festen Bayreuther Wohnsitz beimaß.

 

Bis zum Einzug der Familie Wagner Ende April 1874 in die Villa Wahnfried konnte sich der Komponist immer nur als Gast an seinen Wohnorten fühlen, nie als wahrer Hausherr. Mit der Entscheidung, Bayreuth als Festspielort zu wählen, wuchs in Wagner der Wunsch, dort auch seinen festen, vermutlich auch letzten Wohnsitz zu nehmen. „Dort wünsche ich meinen dauernden Heerd zu gründen, um ihn als lebensvolles Eigenthum dereinst meinen Erben hinterlassen zu können.“


Durch die großzügige finanzielle Unterstützung seines langjährigen Gönners Ludwig II. konnte Wagner 1872 ein Grundstück erwerben, um darauf, nicht frei von Problemen und Querelen um den Bau des Hauses, sein Heim errichten zu lassen.


Wenige Wochen nachdem die Familie Wagner ihr stattliches, großzügig bemessenes Heim bezogen hatte, ließ der Hausherr an der Vorderseite der Villa folgenden Taufspruch, geschlagen in drei Marmorplatten, anbringen:


„Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“


Wenn der Komponist auch immer wieder in Venedig Zuflucht vor dem wechselhaften, seiner Gesundheit abträglichen fränkischen Wetter suchte, wurde Wahnfried dennoch, natürlich besonders vor und während der Festspiele, Mittelpunkt aller organisatorischen und künstlerischen Belange. Das Haus wurde dann auch Ort der Vollendung des „Rings“. Mit dem Abschluss der Partitur der „Götterdämmerung“ im Jahr 1874 fand das Opus Magnum des Dichters und Komponisten Richard Wagner seine fertige Gestalt.


Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs durch eine Bombe schwer beschädigt, konnte das zunächst nur notdürftig reparierte Gebäude nur mit Hilfe zahlreicher öffentlicher und privater Unterstützer zum 100-jährigen Jubiläum der Festspiele 1976 in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und als Richard- Wagner-Museum wiedereröffnet werden. 

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